Unternehmertum braucht stabile Währung und weniger staatliche Steuerung

Der Journalist Roland Tichy ist Gastredner beim Unternehmerfrühstück von proDresden e.V.

Die Erleichterung war Gunther Seifert anzumerken: Nach zwei Jahren Pause durch die Corona-Pandemie konnte proDresden e.V. am 13. März 2022 wieder zu einem Unternehmerfrühstück einladen. Der Vorstandsvorsitzende dankte Beate und Roland Zwerenz, die dafür im Rahmen der Messe KarriereStart den Erlweinsaal zur Verfügung stellten.

Angesichts der Invasion Russlands in die Ukraine und deren Folgen, schätzte Seifert ein: „Die Sorgenfalten von uns mittelständischen Unternehmern werden nicht kleiner.“ Auch der Journalist und Publizist Roland Tichy konnte als Gast der Veranstaltung nicht zu Beruhigung beitragen. Tichy leitete als Chefredakteur die Zeitschriften „Impulse“, „Euro“ und „WirtschaftsWoche“. Sechs Jahre lang bis 2020 stand er der Ludwig-Erhard-Stiftung vor. Er ist Herausgeber der Publikation „Tichys Einblick“ und Gastgeber der Talkrunde „Tichys Ausblick“. Tichy sorgte in der Vergangenheit für Kontroversen. Von der aktuellen Regierung und deren Politik hält er offensichtlich wenig. So kritisierte er gleich zu Beginn auch Finanzminister Christian Lindner und zitierte ihn mit der Aussage: „Wir werden alle ärmer.“

Das stehe im Kontrast zu dem Versprechen, das Ludwig Ehrhard vor 65 Jahren mit seinem Buch „Wohlstand für alle“ gab. Der damalige Bundesminister für Wirtschaft, später war er auch Bundeskanzler, hatte die Preise freigegeben und auf die Dynamik der Unternehmen gesetzt. Politik, so Tichy, sollte sich darauf beschränken, dass die Währung und der Staatshaushalt stabil sind. Inflation führe dazu, dass man aufhöre zu planen, einigermaßen seriöse Kalkulationen seien nicht möglich. „Wenn die Preise ins Rutschen kommen, nimmt der wirtschaftliche Schaden seinen Lauf.“

Vom mündigen Bürger, der Leitpolitik von Ludwig Erhard, sei derzeit nicht viel übriggeblieben. Der heutige Wirtschaftsminister Robert Habeck müsse zwar jeden Tag auf dem Weg ins Ministerium an der Büste von Erhard vorbei, aber das sei für ihn nicht sehr lehrreich, scherzte Tichy. Habeck, aber auch die EU, setzten auf Planwirtschaft, auf politisierte Entscheidungen und nicht auf die Vernunft, sagte er. Tichy forderte, dass sich der Staat auf seine Kernaufgaben besinnen und unternehmerisches Handeln freigeben müsse. Marode Brücken, desolate Schulen, seien das Ergebnis, wenn sich der Staat in alles einmische. Robert Habeck setze zunehmend auf eine zentrale Steuerung der Wirtschaft. Als Beispiele nannte Tichy die Förderung der Elektroautos und die Idee, Stahl und Aluminium mit grünem Strom zu erzeugen. Wenn die Industrie so nicht mehr funktioniere, gebe es Ausgleichszahlungen. Die müsse der Steuerzahler aufbringen. Die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank bezeichnete Tichy als unsoziale Politik.

Mit der aktuell angestrebten Energiepolitik, die auf erneuerbare Energien setze und Braunkohle und Atomkraftwerke verteufelt, zerstöre die Regierung das Rückgrat der Wirtschaft und gehe leichtfertig mit der Infrastruktur um, warnte Tichy. Es werde etwas zerstört, ohne etwas Besseres zu haben. „Wir haben die Dimensionen verloren und eine Illusionsenergie in Deutschland. Wenn wir damit Strom erzeugen könnten, wäre das toll.“ Die Zeit der „Windspielerei“ müsste vorbei sein. Als weltferne Konzepte bezeichnet er auch den verstärkten Anbau von Mais statt Getreide, um so ein bissel Energie zu gewinnen. „Wir müssten uns wieder um unternehmerisches Handeln kümmern, satt um den Salzgehalt in der Fertigpizza.“

Kritisch sieht Tichy auch die demografische Entwicklung. Seit 1964 habe sich die Anzahl der Geburten fast halbiert. Deutschland habe langfristig eine rasant schrumpfende Bevölkerung. „Wir könnten länger arbeiten, aber wir haben beschlossen, es muss nicht sein.“ Auch ein Ausgleich über Zuwanderung von mehr als 800.000 Menschen im Jahr habe Deutschland erst einmal geschafft. „Die Probleme haben wir immer noch.“ Da es zunehmend schwerer werde, junge Menschen und damit neues Wissen in die Belegschaften zu holen — das Durchschnittsalter in westdeutschen Unternehmen liege über 50 Jahre — müssten wir deutlich mehr in die Fortbildung älterer Mitarbeiter investieren. Das sei jedoch bei vielen Unternehmern noch nicht angekommen. Angesichts steigender Skeletterkrankungen sieht Tichy einen weiteren Ansatz in der „Humanisierung der Arbeit“, um nicht ältere Mitarbeiter frühzeitig an die Rente zu verlieren.

„Wir kriegen wir den Staat dazu, uns nicht zu Tode zu regulieren?“, fragte Tichy und fand bei den meisten Unternehmern Zustimmung. Viele von ihnen fühlten sich in ihren Ansichten bestätigt. Angesichts der politischen Lage und der rasant steigenden Preise machen sie sich Sorgen um die Existenz ihrer Firmen. Allerdings kritisierten Zuhörer auch, Tichy habe die Themen nur angerissen und hätten sich für die mittelständischen Unternehmer mehr Lösungsansätze gewünscht. Denkanstöße waren es allemal, über die die Mittelständler im Anschluss an den Vortrag weiter diskutierten, wie beispielsweise auch über eine zu unkritische Rolle der Medien.

 

 

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