SUFW bildet für Unternehmen aus - eine Win-win-Situation

Firmen in der Stadt und Region suchen Arbeitskräfte. Asylbewerber und Langzeitlose suchen Arbeit. Was lässt sich tun? Der Vorstand von proDresden e.V. informierte sich am 15. Oktober beim Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk (SUFW).

Vorstand Martin Seidel stellte aktuelle Projekte vor. Seit 9. Juli bis zum Jahresende werden 13 Asylbewerber mit anerkanntem Aufenthaltsstatus und zwei deutsche Teilnehmer im Bereich Metall/CNC-Bedienung geschult. Die bestehende Maßnahme „Qualifizierung Metallbearbeitung in Verbindung mit der Vermittlung berufsbezogener Sprachkenntnisse und Praktikum“ wurde passgerecht auf die Bedürfnisse der Firma UKM Fahrzeugteile GmbH angepasst. Jobcenter Dresden und SUFW arbeiten dabei mit dem Personaldienstleister AVENIRA zusammen. Ziel ist es, Teilnehmer als CNC-Maschinenbediener einzusetzen. Sie müssen dann in der Lage sein, die Maschinen zu überwachen und sich um die Materialzufuhr zu kümmern. Weil das SUFW kein CNC-Zentrum mehr besitzt, wurde ergänzend zur Grundbildung im SUFW das Ausbildungszentrum Metall- und Elektroausbildung gGmbH MEA gewonnen. An diesem Standort erwerben die Teilnehmer Kenntnisse zur Bedienung von CNC-Maschinen, die im Praktikum vertieft werden.

Gute Erfahrungen mit der gezielten Ausbildung für ein konkretes Unternehmen hat das SUFW bereits mit der modularen Weiterbildung „Qualifizierung Zweiradmechaniker für Flüchtlinge/Migranten mit berufsbezogenem Sprachunterricht“ gemacht. Die Fahrrad XXL Emporon GmbH & Co. KG konnte ebenfalls freie Stellen nicht besetzen. So lernten zwölf Teilnehmer, empfohlen von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter, das Montieren, Demontieren und Instandsetzen von Bauteilen sowie das Instandhalten von Fahrradtechnik. Daneben erhielten sie berufsbezogenen Deutschunterricht. „Nach derzeitigem Stand wurden vier Teilnehmer dauerhaft für das Unternehmen gewonnen, die Einstellung weiterer ist möglich“, schätzt SUFW-Vorstand Seidel ein. Das sei eine gute Bilanz. Zu den Übernahmekriterien zählten neben der fachlichen Eignung besonders Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen und eine, in den betrieblichen Ablauf passende Arbeitsproduktivität.

Das SUFW bietet derzeit insgesamt 13 zertifizierte berufsbezogene Weiterbildungen an, beispielsweise als Maler und Lackierer und Zweiradmechaniker, beziehungsweise um in der Metallbearbeitung, Hauswirtschaft/Küche, im Gartenbau oder Holzwirtschaft zu arbeiten.
Pro-Dresden-Vorstand Ralf Kretzschmar betonte, dass es vor dem Hintergrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation und der gemeldeten 4.200 unbesetzten Arbeitsstellen in der Stadt besonders wichtig ist, den Übergang von Schule und Beruf zu verbessern und die Zahl der Langzeitleistungsbezieher weiter zu verringern. Auch die Integrationschancen seien schrittweise zu verbessern. Deshalb sei es wichtig, solche erfahrenen Träger wie das SUFW noch zielgerichteter als Partner für die Wirtschaft zu etablieren. Mit den praktizierten und schon bewährten Angeboten wie den "maßgeschneiderten Qualifizierungsmodulen" für Unternehmen entstehe eine Win-win-Situation für Unternehmen und Gesellschaft.

In Zukunft sollen Dienstleistungen für das SUFW eine stärkere Rolle spielen. Geplante Änderungen im nächsten Jahr sehen vor den zweiten Arbeitsmarkt vor, dass es statt der früheren „Ein-Euro-Jobs“ 75 Prozent Lohnkostenzuschüsse gibt, um Langzeitarbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt zu beschäftigen. „Wir wollen den Unternehmen dann gern bei der Personalauswahl, Coaching und Betreuung helfen, die sie haben in der Regel selbst wenig Möglichkeiten dafür“, sagt Martin Seidel. Er selbst plant, mit dieser Förderung einen zusätzlichen Hausmeister einzustellen. Dieser wäre dann fit, wenn der bisherige in zwei Jahren in Rente geht.
Das SUFW hat selbst viele Hochs und Tiefs erlebt. Es hat vor 18 Jahren die Bildungsstätte groß ausgebaut, danach sind die Teilnehmerzahlen um 80 Prozent eingebrochen. Vor sechs Jahren war das SUFW selbst in Existenznöten. Aber jetzt gehe es mit der überbetrieblichen Ausbildung wieder aufwärts. Inzwischen beschäftigt das SUFW wieder 260 direkte Mitarbeiter, hundert mehr als vor drei Jahren. Es sei eine große Herausforderung, die Lohnkosten für Ausbilder und Sozialarbeiter zu erwirtschaften und ihnen eine Perspektive zu geben, erklärte Seidel. Beim Öffentlichen Dienst sei das schon anders gewesen, fand der ehemalige Dresdner Sozialbürgermeister. Es sei ein großes Problem, dass die Freien Träger oft in Vorleistung gehen müssen. Wenn es Verzögerungen beim Stadthaushalt gibt, sollten unbedingt Abschläge für die vereinbarten Projekte geleistet werden, fordert er.
Das SUFW ist sehr breit aufgestellt: Erst kürzlich wurden ein neues Möbel- und Sozialkaufhaus in der Industriestraße eröffnet. Neben dem Firmensitz Am Lehmberg ist die Lingnerallee ein weiterer größerer Standort. Dort sind die Jugendwerkstatt McMampf, eine Textilwerkstatt, sozialpädagogische Angebote für straffällig gewordene junge Menschen und das Projekt Schreibfrauen, bei dem derzeit fast ausschließlich Männer Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen bieten. Weitere Standorte sind am Leutewitzer und Altgorbitzer Ring sowie an der Dresdner Straße.

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