Mitgliederversammlung von proDresden bei der DDV Mediengruppe

Überraschende Einblicke im Haus der Presse

Der Besuch der Mitglieder von proDresden e.V. bei der DDV Mediengruppe beginnt am 26. August mit überraschenden Ausblicken in der Abendstimmung. Von Dach des Hochhauses boten sich ungewöhnliche Sichten beispielsweise auf das Riesenrad, das gerade am Postplatz steht.

Geschäftsführer Carsten Dietmann und sein Stellvertreter Denni Klein stellen die DDV Mediengruppe vor und erläutern anschließend, warum es die DDV Mediengruppe mit insgesamt etwa 1.900 Mitarbeitern trotz aller Rückgänge und Einbrüche geschafft hat, eine bemerkenswerte Entwicklung "hinzulegen". 

Die Auflage der Sächsischen Zeitung sinkt jährlich um etwa drei bis vier Prozent. Derzeit liegt sie, so Dietmann, bei 205.000 Exemplaren, etwa 60.000 sind es bei der Morgenpost. „Noch gravierender ist das Sinken der Anzeigenerlöse“, sagt er. Lagen diese 2000 noch bei 72 Millionen Euro, so waren es im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro. Besonders die Rubrikenmärkte gingen ans Internet verloren. Gleichzeitig sind die Kostenblöcke, abgesehen von schwankenden Papierkosten, fix. Die Redaktionskosten liegen bei etwa 20 Millionen, die Herstellungs- und Vertriebskosten aber bei 40 Millionen Euro. So sei es eine große Herausforderung, die Waage zu halten.

Die meisten Verlage versuchen, die Kosten zu senken. Doch das gehe meist mit einem Qualitätsverlust einher. Damit werde der Auflagenverlust eher verstärkt. „Wir haben vor etwa 15 Jahren begonnen, neue Geschäftsfelder rund um die Printprodukte aufzubauen“, erläutert der Verlagschef. So steckt heute hinter allen Leserreisen deutscher Tageszeitungen das Tourismusunternehmen in Dresden. Zum DDV gehören beispielsweise PostModern, Ortec, ein eigener Buchverlag, selbst Leihfahrräder, Flohmärkte und Oldtimer-Rally tragen zum Erfolg bei. Die einstigen Regionalredaktionen wurden zu Proficentern, die zu 52 Prozent dem DDV und zu jeweils 24 Prozent dem Geschäftsführer von Redaktion und Verlag gehören. Sie sind selbst für das Geschäft vor Ort verantwortlich. Das habe zu einer deutlichen Reduzierung der Kosten und Erhöhung der Erlöse geführt. Auch die Druckerei kann sich nicht mehr auf sichere Aufträge für SZ und Mopo verlassen, sondern muss sich auf dem Markt beweisen.

 Inzwischen ist das einstige Nebengeschäft fast so stark wie das Stammgeschäft. Seit etwa vier Jahren bildet der Medienbereich  nur noch eins von fünf Kompetenzzentren des DDV. Offen ging Dietmann mit Unternehmenszahlen um. Im Vergleich zu 2000 ist der Umsatz um mehr als 100 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro gewachsen. Allerdings stellt nach wie vor der Mindestlohn ein großes Problem insbesondere bei den Zustellern dar. Diese tragen übrigens nicht nur die SZ und die Mopo sondern auch die DNN und die Bild-Zeitung aus. Für die Zustellung setzt der DDV auf die E-Mobilität und hat mit schwedischen Partnern eigene Fahrzeuge entwickelt.

Parallel dazu baute der DDV unter Leitung von Denni Klein sein Projekt Lesewert auf. „Wir haben immer 500 Probanden, die mit einem speziellen Stift markieren, was und wie lange sie gelesen haben“, erklärt Denni Klein. Zunächst diente das dazu, die Wünsche der eigenen Leser besser zu verstehen.  Klein: „So haben wir im Bundesdurchschnitt 15 Prozent weniger Auflage verloren.“ Im Raum vor dem Büro von Chefredakteur Uwe Vetterick ist in einem Bilderrahmen der Spruch: „Unser Chef ist der Leser“ zu lesen. Inzwischen ist Lesewert selbst ein Erfolgsgarant mit einem siebenstelligen Geschäft. Es wird von anderen Zeitungen, Magazinen aber auch von Wirtschaftsunternehmen genutzt. Lesewert kann auf 14 Millionen Datensätze, vier Millionen bei der SZ, zurückgreifen.

Der DDV will ein Haus der Kommunikation sein. So sind mehrere Bereiche, wie die Kantine öffentlich, selbst die Dachterrasse kann gemietet werden. Künftig wird die elfte Etage noch als kleines Konferenzzentrum ausgebaut.  Jeder Bereich im Haus ist selbst für die Gestaltung und die Möbel zuständig. Inzwischen beschäftigt der DDV 20 bis 30 eigene Programmierer, weil es viel zu lange dauert, die Leistungen auf dem Markt einzukaufen. Doch gute Leute zu finden und zu halten, wird immer schwieriger. So soll es auch ein Haus zum Wohlfühlen sein. Überall ist Kreativität gefragt. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter im DDV liegt bei 43 Jahren. Da es fast zehn Jahre einen Einstellungsstopp gab, gibt es zwei größere Gruppen: Die Älteren und die Untervierzigjährigen.

In der News-Bar räumt Uwe Vetterick, seit zwölf Jahren Chefredakteur der SZ, mit falschen Vorstellungen über die Sächsische Zeitung auf. Die erste These: „Die liest eh´keiner mehr“. Sicherlich ist die Auflage gesunken, aber durch das Online-Angebot werden heute fast zwei Millionen Nutzer erreicht. Vetterick: „Wir haben noch nie mehr Menschen erreicht als heute.“

Seine zweite These: „Das lesen nur noch die Alten.“ Bei der Zeitung liegt das durchschnittliche Alter der Leser bei 60 Jahren. Beim E-Paper beträgt es 46  und bei der Nutzung von Handy, Tablet und Laptop 34 Jahre. „Wir haben Kinder bekommen“, scherzt Vetterick.

Auch bei der dritten These „Viel zu viel Belangloses“ räumt er mit Vorurteilen auf: Dank Leserwert wisse die SZ besser, welche Geschichten die Leser mögen. In der Regel sind es solche, die für ihr Leben relevant sind. 2012 wurde die Zeitung durchschnittlich zwölf Minuten gelesen, inzwischen sind es 35 Minuten. Die höchste „Einschaltquote“ haben übrigens die langen Texte auf der Seite 3, gefolgt von Panorama- und Titelseite. Acht Prozent der durchschnittlichen Leser interessieren sich für den Sportteil. Nur etwas besser ist das Interesse für Wirtschaft und Feuilleton. Für speziell an Wirtschaftsthemen interessierte Leser bietet die SZ „Wirtschaft in Sachsen“ und einen entsprechenden Newsletter an. „Es lohnt sich, in Qualität zu investieren“, erklärt Vetterick.

Zu den großen Herausforderungen gehöre es, das Online-Angebot besser zu vermarkten. Nach skandinavischen Vorbild hat die SZ am 23. November begonnen, Bezahl-News anzubieten.

Danach besuchten die proDresden Mitglieder den TAG24-Campus. Robert Kuhne stellte das beeindruckende Projekt vor.

Fazit aller Teilnehmer war, "diese Vielfalt haben wir nicht erwartet". Viele Unternehmer/Innen wollen über Kooperationsmöglichkeiten mit DDV nachdenken.