Die Maskenmacher

Wie ein Dresdner Unternehmen die Welt in Corona-Zeiten schützen – und damit Geld verdienen will.

Tobias Reissmann, GF Xenon

Andre' Lang, GF Norafin

Tobias Reißmann ist zufrieden. Und er hat einen Plan. Reißmann will die Welt ein kleines bisschen sicherer machen. Er ist ein Maskenmacher, könnte man sagen.

Schutz-Masken gibt es glücklicherweise derzeit in reicher Auswahl zu kaufen. Viele von ihnen allerdings sind einfache OP-Masken, schlichte Stoffteile oder selbst gefertigte Kreationen. Sie schützen bestenfalls andere vor Ansteckung, nicht ihre Träger. Die Alternative sollen FFP2-Atemschutzmasken sein. Sie filtern auch kleinste Partikel und sollen so ihre Träger schützen. Allerdings: Oft werden sie aus China importiert, sie sind teuer und nicht in ausreichender Menge erhältlich.

Tobias Reißmann, Geschäftsführer der Xenon Automatisierungstechnik in Coschütz-Gittersee, will das ändern. „Wir sind die ersten in Sachsen, die in der Lage sind, Schutzmasken vollautomatisch in hohen Stückzahlen zu produzieren“, sagt er. Noch aber muss er seine Produkte teilweise als Muster bezeichnen, bis längstens August. Dann soll es die Zertifizierung geben.

Reißmann, 47, hatte einen Plan. Vor etwa 15 Jahren verkauften Unternehmen die Technik zur Maskenfertigung nach China, weil es in Europa keinen Bedarf gab. Reißmann holt sie nun wieder nach Europa und nutzt gleichzeitig den Wissensvorsprung aus China: Kopieren andersrum als früher.

Vor sieben Jahren hatte Xenon in der chinesischen Stadt Suzhou ein eigenes Werk gegründet, das mehr als 60 Mitarbeiter beschäftigt. Dort bestellte Reißmann eine Versuchsanlage zur vollautomatischen Fertigung von FFP2-Masken. „Dank der digitalen Vernetzung haben unsere Ingenieure auf dieser Grundlage während der Planung und des Baus eine Serienanlage entwickelt“, sagt er. Die sei sogar deutlich besser als das Original. Parallel haben wir die Anlage mit einer vollautomatischen Verpackungsmaschine ergänzt“, erzählt er.

Für seine Anlage brauchte Reißmann ein entsprechendes Vlies. Über Marina Heimann, Geschäftsführerin der Innovationsplattform futureSax, lernte er André Lang kennen. Lang ist Geschäftsführer beim Vliesexperten Norafin im erzgebirgischen Mildenau. Beide haben viel Gemeinsames, sie sind gleich alt, sie sind Familienväter, Miteigentümer ihrer Unternehmen und glauben daran, dass die Welt internationaler wird. Xenon und Norafin bündelten ihr Wissen über Medizintechnik.

Bei Norafin hatten sie bereits im März erste Mund-Nasen-Masken produziert und sie in den Krankenhäusern in Annaberg-Buchholz und Aue testen lassen. Je nach Maskenqualität kommen zwischen zwei und fünf Lagen Vlies zum Einsatz.

Derzeit gibt es zwei Arten: Eine Alltagsmaske – sie ist leicht, schmiegt sich gut ans Gesicht und bietet bereits doppelten Schutz vor Ansteckung; Tröpfchen können weder nach außen noch nach innen dringen. Und eben die FFP2-Masken. Sie sind dicker und sollen den höchsten Schutz sichern. Die Preise sollen deutlich günstiger sein als für vergleichbare Produkte.

Gunther Seifert, Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins proDresden, freut sich über solch sächsische Erfinderkultur: „Wir unterstützen diese Kooperation der beiden Unternehmen“ sagt er. ProDresden gehört zu den ersten Abnehmern. „Wir freuen uns, unseren Mitgliedsunternehmen die erste Charge der Mustermasken zur Verfügung stellen zu können.“

Tobias Reißmann denkt bereits in größeren Dimensionen: „Auf unseren Serienanlagen können an sieben Tagen in der Woche im Dreischichtbetrieb bis zu zwei Millionen Masken im Monat gefertigt werden“, sagt er und verhandelt bereits mit deutschen und europäischen Nutzern über den Verkauf dieser vollautomatischen Produktionslinien. Vielleicht gibt es bis zum Jahresende die Neugründung eines Unternehmens in Sachsen zur Maskenproduktion im großen Stil.

Von Bettina Klemm

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